Aus für das Porn-Valley?

 

Nur ein paar Kilometer Luftlinie von den Disney Filmstudios, Warner Bros. und Universal Pictures hat sich seit den 70er Jahren im Norden von Los Angeles eine ganz andere Filmindustrie angesiedelt: Die Pornoindustrie. Schätzungsweise 90 Prozent der legalen Pornofilme der USA werden hier in der San Fernando Valley – auch Porn-Valley genannt – produziert. Ein Milliardengeschäft, dem das Ende droht: Im November 2012 haben die Bürger der Region Los Angeles mit knapp 57 Prozent Stimmanteil für ein Gesetz gestimmt, das unter anderem die Kondompflicht auf Filmsets, aber auch ein gebührenpflichtiges Gesundheitszertifikat beinhaltet. Das Problem: Das Gesundheitszertifikat, das für jeden Filmdreh neu beantragt werden muss, kann die Produktionsstudios zwischen ein paar hundert und einigen tausend Dollar kosten. Keiner wisse zum Zeitpunkt der Antragstellung, welcher Betrag auf die Produktionsfirma zukomme, beklagt auch eine der größten Pornoproduktionsfirmen Wicked Pictures. Als einzige große Produktionsfirma herrscht bei Wicked schon seit langem eine Kondompflicht. Dennoch sehen sie sich von dem neuen Gesetz in der Existenz bedroht. Das Gesundheitszertifikat mache eine Produktion unberechenbar, so ein Unternehmenssprecher. Aber auch andere Produktionsfirmen befürchten Umsatzeinbußen: Als 1998 der erste HIV-Fall in der Pornoindustrie bekannt wurde, verpflichteten sich die Studios selbst, Kondome auf den Sets zu benutzen. Die Filmverkäufe brachen nach Angaben der Organisation „No on B“ daraufhin um bis zu 30 Prozent ein. Dabei gehe es der Pornoindustrie momentan ohenhin schlecht, wie Dan O‘Connell, Präsident der Produktionsfirma „Girlfriends Films“ und „Man of the Year“ der Porno-Industrie berichtet: „Auf der jährlichen AVN-Show waren vor knapp zehn Jahren noch 60 Produzenten. Jetzt waren es weniger als zehn. Die Raubkopien machen es schwer für uns.“ Die Soziologin Chauntelle Anne Tibbals, die seit Jahren im Pornogewerbe forscht und an der University of Southern California (USC) lehrt, sieht die Gefahr, dass Pornos nun vermehrt illegal produziert werden. „Das führt automatisch zu schlechteren Gesundheitsstandards, weniger sozialem Zusammenhalt und zu einer Illegalisierung des gesamten Pornobereiches.“ Seit dem ersten Januar 2013 ist das Gesetz in Kraft und kalifornische Medien berichten von einem „dramatischen Einbruch“  bei den Anträgen für Filmgenehmigungen. Die Rechnung sei klar, meint Tibbals: „Wenn du sechs Filme drehst und nur bei einem erwischt wirst, bist du immer noch günstiger dran, als wenn du bei allen Filmen das Zertifikat und die Filmgenehmigung bezahlt hättest.“ Dies führe zu Mindereinnahmen auch für den Staat: Auf jede normale Filmproduktion werden im Raum Los Angeles zehn bis 20 Genehmigungen für Pornofilme beantragt. Bislang ist es in den USA nur in den Staaten New Hampshire und Kalifornien erlaubt, Pornofilme zu drehen.